Ich war wieder einmal zu späte zu einer Vorstellung und abgehetzt schnappte ich diese Worte von einem Billeteur auf. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich fand den Gedanken sympathisch, dass jemand, der sich nicht stressen lässt, auch nicht schnell und unachtsam laufen muss. Sie kennen sicher diese Mitmenschen, die stets unter Strom stehen, damit ihre Umwelt davon überzeugt ist, dass sie besonders viel leisten und wichtig sind.
Ich habe daraufhin angefangen, Dinge achtsamer und vor allem auch langsamer anzugehen. Ich überdachte mein Zeitmanagement und merkte allmählich, dass es nicht nur beim Gehen, sondern generell die Schnelligkeit ist, die dem bewussten Leben viel wegnimmt.
Zeit sparen! Etwas schnell erledigen! Dinge gleichzeitig machen! Das ist alles nicht notwendig – wir müssen uns auch keine Zeit „nehmen“, denn wir haben genug davon – und je bewusster wir es angehen, desto mehr haben wir von der Zeit.
Was hat das mit Kochen und Gastlichkeit zu tun?
In der Kulinarik ging es lange Zeit darum, erfinderisch zu sein, noch feinere Gerichte zu kreieren. Köche überschlugen sich mit Ideen – es ging darum, den Gast zu begeistern und neue Trends zu etablieren. Das hat viel Zeit in Anspruch genommen – Zeit, die Köche heute nicht mehr für ihre Arbeit einkalkuliert bekommen. Kochen verkommt immer mehr zu einem Fertigungsprozess.
Die Priorität liegt nicht mehr im Dienst am Gast und dem Erfüllen seiner Erwartungen, sondern mehr und mehr bei der Effizienz der Arbeitsprozesse und der Umsatzleistung eines Unternehmens – dies schlägt sich nicht nur auf die Kreativität der Speisekarte, sondern auch auf die Qualität nieder – ist es uns das wirklich wert das wir weniger zahlen und dafür weniger geboten bekommen?
Wollen wir nicht anfangen, es zumindest einmal im privaten Bereich anders anzugehen?
Stellen Sie sich einmal bewusst in die Küche, dem Trend der Zeitsparküche zum Trotz, und erkennen Sie, um wieviel höher die Lebensqualität ist, wenn Sie sich mehr Zeit zur Auswahl der Lebensmittel und zum Kochen nehmen.
Essen ist essenziell und nicht etwas, was sich nebenbei erledigt. Geben Sie Ihrem Essen bewusst mehr Raum, ändern Sie einmal Ihren Einkaufsort. Gehen Sie in einen anderen Supermarkt, glauben Sie mir, Sie werden Zeit brauchen, weil Sie nichts finden. Aber vielleicht kommt Ihnen ein wunderbarer Gedanke, eine Inspiration, die Sie in Ihrem alten Verhaltensmuster übersehen haben.
Oder gehen Sie auf einen Markt, vielleicht an einem milde Frühlingstag – schlendern Sie an der riesigen Auswahl an frischem Gemüse und Obst vorbei, Atmen Sie die frischen Farben ein, überlegen Sie, was Sie gerne essen würden, kreieren Sie ein Gericht!
Beschäftigen Sie sich mit dem, was Sie essen und wie Sie es gerne essen – nicht wie „man“ es essen soll.
Es gibt so viele Möglichkeiten, wie Sie ein Gericht kochen oder einmal anders machen können – eine Zutat mehr oder weniger, ein anderes Gewürz oder doch einmal frische Kräuter?! – und auf einmal wird aus einem langweiligen, gewohnten Abendessen ein neues Geschmackserlebnis.
Und dann laden Sie Ihre Familie ein oder Freunde und lassen Sie diese an Ihrer neuen Lebensgeschwindigkeit teilhaben– ich verspreche Ihnen, es lohnt sich.
derMarkus
— wenn es um Gastlichkeit geht!
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